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Eine Familienradreise durch Südamerika

...Bolivien - Schotter, Salz & Kekse...

Gesamtkilometer:         6.738 km
Gesamthöhenmeter:  82.956 hm

Bienvenidos in einem Land, welches uns schon gleich von Anfang an überraschte...
Die Grenze überschritten wir gemeinsam mit einem Radreise Päarchen aus der Schweiz. Definitiv einer der unvergesslichsten, längsten und lustigsten Grenzüberschreitungen.
Bei einem eigentlich ganz unspektakulären Abstieg vom Fahrrad, flog Andrea auf das Vorderrad ihres Freundes. Es eine "Acht" zu nennen, wäre zu untertrieben gewesen. Eine acht mit Doppel Looping, hätte es schon eher getroffen.
Mit bloßem zentrieren, war das Problem nicht zu beheben, weshalb die Männer sich ein Mototaxi schnappten und zurück zum letzten Dorf fuhren, um eine "Rad-Werkstatt" zu finden.
Auf brutalste Weise wurde das Rad auf peruanischen Standard mit einem Vorschlaghammer wieder "rund" geklopft und später in einem Motorrad-Zentrierständer zentriert.


Immerhin hat es gereicht, das Rad ohne Bremsen wieder ein zu bauen und mit einem zusätzlichen Platten über die bolivianische Grenze zu schieben.
Dort angekommen, holten wir uns erstmal einen Einreisestempel. Trotz Diskutiererei, zwecks Radreise und Kind, bekamen wir nur 30 Tage Visum. Der Zöllner betonte jedoch, man könne in jeder größeren Stadt das Visum bis auf 90 Tage kostenlos verlängern. Eigentlich kein Stress, aber für uns bedeutete dies, dasd wir auf jeden Fall eine größere Stadt anfahren müssen....
In aller Ruhe wurde Michele's Rad noch einmal für die Weiterfahrt, vor dem in englisch beschrifteten Klo präpariert.


auf Grund von Erzählungen haben wir alle schon mit dem schlimmsten in Bolivien gerechnet. Doch in Grenznähe wurden wir schon zum ersten Mal  von der Architektur überrascht. Jedes Haus wurde hier mit einem Dach versehen! Manche hatten sogar Ziegel, Dachgaupen, oder sogar kleine Erker.
In dem touristischen kleinen Städtchen Copacabana am Lago Titicaca sammelten wir mit Ruhe und mega Popcorn für ein paar Tage neue Kräfte, bevor es weitergeht. Denn auf uns wartete eine lange Etappe.


Obwohl Peru landschaftlich einiges zu bieten hatte und für uns nur schwer zu toppen war, konnte es im Bezug auf den Lago Titicaca, sich hinten anstellen.
Auf der bolivianischen Seite, schimmerte der See schon fast in karibischen türkis Tönen.
Mit einer Fähre, die in leichter Schräglage sogar ganze Busse übersetzte, überquerten wir die Engstelle, an der der Puma den Hasen jagt... (wenn man die Karte auf den Kopf stellt).


Lange genossen wir noch die schöne Aussicht auf den See, bis sich nachmittags plötzlich ein Unwetter über uns aufbaute und Hagelkörner auf uns runter prasselten. Nachdem das Schlimmste vorbei gezogen war, fuhren wir weiter auf der Suche nach einem Schlafplatz.
Leider war der Titicacasee zum Zelten zu dicht besiedelt, die Hotels entweder leer und verlassen, oder sie sprengten erheblich unser Budget.
Als sich der Himmel schon rot verfärbte, kam uns Gustavo, ein Radtourero aus Kolumbien, der ebenfalls auf der Suche nach einem Schlafplatz war, entgegen. Zusammen schlugen wir bei Sonnenuntergang unsere Zelte hinter einer Kirche Mitten im Dorf auf. Hier muss es ja schließlich sicher sein ;)
Am nächsten  Morgen grüßten uns die Bewohner freundlich. Manche hielten für einen kleinen Smalltalk, als wäre es das normalste hier zu zelten.
20 km genossen wir noch einmal die gut asphaltierte Straße, danach bogen wir in eine Piste aus Schotter und Sand.
Nach 5 km fragte mich Jamun, warum wir eigentlich hier lang fahren und nach jedem gefühlten Meter, wie lange es noch dauert bis wir wieder auf Asphalt fahren.
Unser Plan war es La Paz auszulassen und dass die Straße erst mal so bleibt, haben wir ihm dezent verschwiegen ;)
In dem kleinen sympathischen Dörfchen Pucarani, legten wir unsere erste Pause ein. Es war Sonntag und alle Bewohner versammelten sich auf der Plaza, tranken Bier, kauten Coca-Blätter und hörten vom Bass überschlagene Musik.
Eine nette alte Dame baute extra für uns eine Art Sonnenschirm auf, während ihr Mann uns erzählte,  dass es noch ca. 50 Kilometer bis zum nächst größeren Ort Viacha seien und man mit dem Fahrrad etwa 1 Stunde bräuchte. Er fügte noch hinzu, die Straße sei nach Laja viel besser "mucho mejor!".
Na dann mal los - vamonos!
Kurz vor Laja kreuzten wir eine Asphaltstraße, 5 Meter purer Genuß, dann holperten wir in das verschlafene Örtchen und wieder hinaus in die 'mucho mejor' Straße.
15 km steinharter Waschbrett Belag! Teilweise suchten wir am Straßenrand wieder nach Sand und Schotter, denn im Vergleich dazu, war es schon fast gemütlich.
Mittlerweile fragte auch ich mich, warum wir eigentlich hier lang fahren.
Die Antwort bekam ich kurz vor Sonnenuntergang, als wir unser Zelt auf dem goldenen Altiplano aufstellten, die schneebedeckten Gipfel der Cordillera Real von der Abendsonne rot erleuchteten und dazwischen die Lichter von El Alto und la Paz zu funkeln begannen.


Am nächsten morgen jedoch überdachten wir nochmals unsere Route neu. Unser Lateinamerika Bike Buch leitete die Tour mit folgenden Sätzen ein:  " Dies ist eine harte Hinterland-Tour für Abenteurer! Wer sie fahren will, sollte unbedingt genügend Lebensmittel, Trinkwasser und eine gute topographische Karte ( russische Fliegerkarte ) mitführen! "
Natürlich haben wir für unser GPS Gerät keine Bolivien Karte und die Fliegerkarte ist eine einfachste Straßenkarte.


Also umfuhren wir noch weiter La Paz und stießen am nächsten Tag, zu Jamun's Freude, auf Asphalt der Ruta National 1. Hier rollten zwar unsere Räder, aber dafür lag jeder Kilometer entweder ein geplatzter Autoreifen, oder ein toter Hund im Weg...
Nach 60 Kilometer bogen wir gerne wieder von der guten Straße ab. In Patacamaya füllten wir unsere Vorräte auf und reparierten meinen ersten Platten! Danke an Schwalbe und ein noch größeres Danke an unsere Cikago Bude, die uns den Tag mit ihrer Nachricht auf dem Felgen erheiterte!


Die ersten 40 Kilometer strampelten wir über den Altiplano wie wir ihn schon von den letzten 600 km kannten. Beinahe fing er sogar an uns zu langweilen, als plötzlich die goldene Oberfläche aufbrach und rotleuchtende Schluchten vor uns lagen. Ich könnte jetzt hier wieder Hesse mit aufgebrochene Feigen zitieren, aber ehrlich gesagt, dachte ich maximal an Spätzle mit Rotweinsoße. Ich merkte wie unser verwöhnter europäischer Magen mittlerweile die Vielfalt des Essens vermisste...
Die schöne Landschaft holte mich aus meinen schlemmer -Träumen wieder raus.


Fließende Felsformationen und rötlich sandig ausgetrocknete Flüsse, die sich über Weiten dahin zogen, kamen zum Vorschein.


Die aus Erde gebauten Häuschen mit Strohdächer verschmelzten mit der Landschaft. Überall grasten wilde Lamas, Vicuñas, Emus und Flamingos stolzierten in den Überbleibsel der Flüsse.
Jamun genoss die Strecke! Hier konnte er jeden Tag alleine fahren. Am meisten freute er sich, wenn er wegen den Lamas bremsen, oder sogar anhalten musste, weil sie sich mitten auf der Straße ausruhten.





In Curahuara de Carangas legten wir eine Mittagspause ein. Bei einer alten Dame aßen wir an der Plaza ein Almuerzo. Als wir es ohne Fleisch und Pollo bestellten, fing die Dame herzhaft an zu lachen. Sie fand es äußerst amüsant und erzählte es jedem kichernd, der ebenfalls an den Stand kam.
Während wir dort saßen, kam plötzlich ein Kamera Team auf uns zu, welches gerade eine Reportage über die dort vorhandene sixtinische Kapelle, die auf das Jahr 1606 zurückgeht, drehte und fragte uns ganz aufgeregt, ob wir extra wegen der Kirche auf dem Fahrrad hier her reisten??
Unsere Antwort enttäuschte sie etwas und doch bekamen unsere Räder nach den Interviews noch eine Nahaufnahme.


Kurz nach Ortsausgang wurden wir von der Landschaft total überwältigt. Ein Traum jedes Boulderer und zugleich ein Alptraum, wenn das Equipment kein Platz auf dem Rad hatte!


Skurrile Felsformationen, freistehende Säulen und löchrige Felsbrocken , die wie es scheint, ihre eigene Geschichten erzählen. Eine Gegend, in der es völlig gleich ist, dass man wegen den schlechten Wegverhältnissen nur langsam voran kommt. Hier steigt man extra vom Sattel!


Nach Turco wurden wir erneut von diesem Land überrascht. Die neu geteerte Strasse nach Ancavari, wurde in adäquaten Abständen mit Mülltonnen versehen.


Ein Land, welches von hinten aufholt und nicht wie wir es von Peru kennen, eher nur um touristische Zentren. Auch das von Morales hervorgebrachte Brunnenbohr - Projekt " Mi Agua ",  scheint zu greifen. In den meisten Ortskernen gibt es ein für alle zugänglichen Wasserhahn mit Trinkwasser. Nur wenige müssen noch ihr Wasser aus einer Art Brunnen holen.


Ein beeindruckendes Dritte-Welt-Land, welches sogar als erstes Land, Mc Donalds beukotierte, bis rote Zahlen geschrieben wurden und der Konzern sich zurückzog! Davon können wir nur lernen...

Auf dem Weg nach Sabaya, der Eingang der Salzwüste Salar de Coipasa, hielt ein Auto neben uns und schenkte uns Orangen und Joghurtgetränke für den Weg. Sie boten auch an, uns bis nach Sabaya mitzunehmen!
Unsere Vorurteile, welche sich von den Erzählungen vieler anderen Touristen eingeschlichen haben, entsprachen somit in keinster Weiße der Realität!

In Sabaya gingen wir nochmal auf Proviant-Jagd, was bedeutet, alle Tiendas abklappern, suchen und hoffen was anderes außer Kekse zu finden. Was leider ziemlich schwer ist.


Dafür fanden wir glücklicherweise zum ersten mal seit Monaten wieder frische Brötchen, die direkt aus dem Ofen kamen :)
Als wir auf den Hostel - Besitzer warteten, trafen wir auf einen belgischen Abenteurer, der versucht beide Salare, ohne jeglichen zivilistischen Kontakt, mit einer Wasserversorgung von 29 Liter und 30 Power-Bar Riegeln, innerhalb von 6 Tagen zu Fuß zu durchqueren.
 Kurz darauf traf noch ein pensioniertes Mitte der 60er Jahre altes Paar aus Holland auf ihren Rädern ein. Gemeinsam aßen wir zu Abend und checkten in das Hostel ein.
Jeder mit der gleichen Mission, beide Salare zu durchqueren, verließen wir am nächsten morgen, jeder nach seinem Tempo, Sabaya.

Unglaublich, vor mehr als 13 Jahren, als ich zum ersten Mal die DVD von Manu Chao - Babylon en Guagua sah, träumte ich davon an diesen Ort zu reisen - und nun lag er ganz nah vor mir!!


Zuerst radelten wir über Sand, dann kam die erste Salzschicht. Später vermischte sich das Salz mit Wasser und wurde zu einer gerade noch fahrbaren klebrigen Knetmasse. Dann steinig und endlich wurde der Salar so wie wir ihn uns vorstellten! Eine pure Salzpiste!


Singend, flippend und den Tränen fast nahe radelten wir Kreuz und quer. Und weil es so schön war und es sich schnell radeln ließ, zelteten wir eine Nacht auf einer Insel auf der Salar de Coipasa, auf der bis zu 3 Meter hohe Kakteen wuchsen und über der Milliarden von Sternen leuchteten.


Am nächsten Vormittag begegneten wir den beiden Holländer auf der Salar und radelten gemeinsam weiter. Nach etwa 22 km endete die Euphorie und der Spaß! Die Salzwüste bildete riesige, harte und aufgeplatzte Waben, die ein Fahren kaum ermöglichte. Später wurden sie nass und matschig und wir versanken bis zu den knöcheln darin.



Nach etlichen geschoben Meter, wurde der Untergrund pudrig krustig. Es fühlte sich an als würden wir über Schweizer Fastnachts-Chüechli laufen...ohhh, was würden wir jetzt dafür geben....

Die Sonne brezelte auf uns nieder und schlimmer noch - unser Wasser wurde knapp. Schließlich dachten wir ja, wir würden die Coipasa mit ihren 87 Kilometer an einem Tag schaffen. Gemeinsam quälten und schoben wir die Räder voller Kraft aus der Salar .
Nach langem, erreichten wir endlich wieder eine fahrbare Piste. Doch zum finalen 'Radlertag' , blies uns plötzlich ein heftiger und eisig kalter Wind ins Gesicht, der uns erneut von den Räder zwang.
Sobald er aufhörte, fanden wir einen kleinen Fluss, stellten unsere Zelte direkt daneben auf, filterten Wasser und kochten Nudeln.


Diesmal war das Essen ziemlich versalzen, aber der enorme Hunger, ließ keine zeit für Hinterfragungen. Jamun, trank ein Schluck von dem gefilterten Wasser und spuckte es im nächsten Atemzug wieder aus. Ich roch daran und fand, daß es ein bißchen fischig roch, weshalb ich Tee daraus machte. Das holländische Päarchen und Jamun schliefen bald ganz erschöpft ein. Torsten und ich  warteten noch lange bis das Wasser für den Tee  kochte. Ungeduldig nahmen wir es irgendwann vom Kocher. Beim ersten Schluck, wusste ich warum Jamun das Wasser sofort wieder ausspuckte und - warum es solange dauerte bis es kochte  - das Wasser im Fluss war Salzwasser! Hätten wir uns vielleicht auch denken können....
Ein Traum nach dem anderen jagte die Nacht von glasklarem Wasser. . .
Gleich nach Sonnenaufgang schnappten Abe, Torsten und Jamun die Räder und fuhren in den nächsten Ort um Süßwasser aufzufüllen bzw. zu kaufen. Noch nie hat Wasser so gut geschmeckt! Und dazu mal wieder was gelernt : in einer Salzwüste sollte man das Wasser vorher probieren, bevor man es filtert!

Von den 34 kilometer, die zwischen den beiden Salaren lagen, verbrachten wir ca. 7 Kilometer auf dem Sattel. Die restlichen Kilometer schoben wir unsere Gefährten durch tiefen Sand.


Die einzigste willkommene Abwechslung zwischen Sand und Dornensträucher, waren die entspannten Lamas



In dem halb verlassenen Dorf Challacollo hofften wir ein paar Lebensmittel zu finden.


Es gab ein Tienda, in deren verstaubten Regalen tatsächlich 4 Packungen Popcorn, Kekse, Kaugummis und 3 Schokoriegel zu finden waren.
Sich nur von Süßkram zu ernähren - eigentlich ein  Traum jedes Kindes...

Noch einmal zelteten wir am Rand der nächsten und weltweit grössten Salzwüste, der Salar de Uyuni.


Hier trafen wir am nächsten morgen wieder auf die beiden Holländer, Scott und Sue, zwei Weltumradler aus den Staaten. 



In einer Karawane rollten wir über den puren Salz und verbrachten eine Nacht auf der Isla Incahuasi.
Jetzt wusste ich auch warum ich solange auf diesen Traum warten musste. Hätte ich das Land früher bereist, hätte ich die Salzwüste ganz bestimmt nicht so intensiv wie mit dem Rad erlebt!




Hier rollte es sich wie über Asphalt! Einfach herrlich....

Nach 16 Radtage in Folge, knapp 900 Kilometer - meistens Sand und Schotter und ca. 50 Packungen Kekse erreichten wir Uyuni. Hier wurden erstmal unsere Räder vom Salz befreit...


...das Visum verlängert, und am Markt die Vitamin - Defizite aufgeholt...



....denn schließlich brauchen wir neue Energie für unser nächstes Bolivien - Chile - Bike - Highlight , die Lagunenroute!

Wadenkino durch Süd-Peru zur bolivianischen Grenze

Gesamtstrecke :             5.856 km
Gesamthöhenmeter :    78.808 m

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, etwas regelmäßiger zu schreiben, doch unsere Ruhetage wurden in Peru immer kürzer. Zum einen lag es bestimmt daran, dass wir für dieses riesige Land nur 90 Tage Visa bekamen und zum anderen weil ich schon länger nicht mehr beim bloßen Anblick eines Berges sofort zu jammern anfange und dabei nicht alle 500 Meter eine Pause brauche!
Endlich kann ich bergauf treten und nebenher sogar eine Unterhaltung führen bzw. zumindest auf Fragen antworten.
Nach unserer Schotterpiste durch den Huarascaran National Park, rollten wir zunächst auf solidem Asphalt förmlich dahin.
Der nächste Pass bei Cerro de Pasco auf  4399 müNN, radelten wir ohne große Mühe. Nachdem es kurz bergab ging, öffnete sich vor uns unerwarteterweise ein weites flaches Panorama.
Zum ersten Mal hatte ein gesprächiger Mann bei der Wegbeschreibung recht - TODO PLANITO!


Über 90 Kilometer, begleitete uns die dankbar flache Strecke auf einer Höhe von 4100 müNN. Goldene Steppe, blauer Himmel, Lamas und Vicuñas prägten die Landschaft.


Über eine weitere Abfahrt erreichten wir später die Stadt La Oroya. Das leuchtende Panorama wurde förmlich zerrissen und wir krachten in 'das' Bergbau-Zentrum von Peru.
Hier werden jährlich ca. 600.000 t des Gesteins aus den Bergen geholt, aus denen jeweils 55.000 t Metalle, wie Blei, Kupfer und Zink mit Schwefelsäure und dadurch mit verheerenden Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung, ausgewaschen werden. Das Wasser ist verseucht und 99% der Kinder unter 10 Jahren sollen einen zu hohen Bleiwert im Blut aufweisen. Die Aufklärung der Gewerkschaft für die Bevölkerung: "esst gesund - viel Obst und Gemüse und alles ist in Ordnung!"
La Oroya gilt als einer der zehn am stärksten verschmutzen Orte der Welt. Und zum Dank gehen die meisten Gewinne der Metallförderung an die USA. Die Ausbeutung Südamerikas geht noch immer weiter.....


Die Berge um die Stadt scheinen in ihrer Blässe passend zur Geschichte, wie ausgelutscht und bekommen erst nach ein paar Kilometer ihre golden bewachsene Farbe zurück.
Kakteen und wilder Ginster zieren die Berge.

Jamun bei der Schlafplatzsuche - das perfekte Haus für uns und unsere Bikes!

Nach einem Ruhetag in Huancayo, kletterten wir erneut über einen 4000er Pass, um später hinunter durch das fruchtbare Mantaro-Tal zu fahren. Die Straße befährt sich durch die tiefe Schlucht meistens nur einspurig, doch zum Glück ist hier kaum Verkehr und ein Rad kann immer ausweichen! Entlang des Flusses gedeihen, bei gefühlt tropischem Klima, Mango-, Papaya- und Pfefferbäume.
In den kleineren Dörfer rannten uns diesmal nicht nur die Hunde hinter, sondern erfreute neugierige Kinder versuchten uns mit ihren flinken Beinchen einzuholen, oder radelten mit ihren quietschenden und viel zu großen Räder um die Wette. Für uns und unsere vollbepackten Esel waren sie jedoch wirklich potentielle Gegner!


Fotoshooting unterwegs.....

Die Farben der Felsen und die Vegetation ändern sich hier durch die gesamte Strecke in regelmäßigen  Abständen. Von saftig grünen Bäumen über Kakteen, die im Kontrast zu rot-leuchtenden Felsformationen stehen, dazwischen stetig der smaragdgrüne Rio Mantaro.  Szenenwechsel wie in einem Daumenkino - hier wohl eher Wadenkino ;)


Die zwischenzeitlich wieder schlechten Strassenverhältnisse, ließen unsere Räder ganz schön leiden. So hatte Torsten gleich zwei Speichenbrüche hintereinander. Der erste konnte ganz gut repariert und neu zentriert werden, aber der zweite....
Nach einigen Stunden Zentrierei anhand zweier Kabelbinder, entschieden wir uns in die nächste Stadt (Radladen) zu trampen.
Die Arbeit wurde uns erfreuterweise von einem Polizisten, der gerade eine Verkehrskontrolle durchführte, abgenommen.


Er zog jeden LKW aus dem Verkehr und bat den Fahrer uns mitzunehmen. Schon der dritte  LKW fuhr in unsere Richtung!
Wir luden unsere Räder in den Hänger und quetschten uns zwischen Holzkisten und Zementsäcke.
Die Polizei wünschte uns eine gute Reise und schloss die Anhänger-Tür.
Nach nur wenigen Kurven, wurde uns schlecht. Unser Sohn, fing an zu weinen und übergab sich.
Bevor er schließlich auf den Zementsäcken  einschlief, erwähnte er noch: "Ich will einfach nur mit den Fahrrad fahren!"
Nach zwei Stunden Fahrt und mittlerweile eingebrochener Dunkelheit, hielt der LKW in einem 5 Häuser-Dorf und meinte, wir wären da!
Da??      Wo??     In Panjal!     Aha...
Verwirrt standen wir am Straßenrand, bauten unsere Räderkarawane wieder auf und bevor wir überlegen konnten, wie es jetzt und hier weitergehen soll, bildete sich eine Horde Kinder  um uns herum.
 Ihre Fragen schossen wie wild um unsere Köpfe. Zwischenzeitlich kamen auch ein paar Erwachsene hinzu... Hier wird gerade der 7. Geburtstag des kleinen Fabrizio gefeiert und wir sind herzlich eingeladen mitzufeiern, schlafen können wir in der Garage!     Perfekt!


Es wurde bis spät in die Nacht getanzt und mit jeden Mengen Süßigkeiten und Chicha Morrada (dunkler Maissaft) gefeiert. Die Piñata wurde gegen 22 Uhr aufgehämmert  und danach wurde die Geburtstagstorte angeschnitten. Um Mitternacht, saßen die übriggebliebenen Erwachsenen im Kreis und tranken Bier. Bier trinken erinnert hier eher an ein Ritual.
Es geht eine Flasche und ein Glas im Kreis herum. Jeder schenkt sich genau einen Schluck ein, trinkt ihn und gibt dann die Flasche mit dem Becher weiter.  In der Mitte des Kreises steht ein Becher, in den der letzte Schaum-Rest geschüttet wird.
Natürlich verstanden wir die Art Bier zu trinken nicht gleich von Anfang an und gossen uns nach unserer Art den Becher voll. Die Peruaner amüsierten sich köstlich über uns Gringos ...

Nach weiteren Auf und Ab's erreichten wir Cusco.
Die Turistenmetropole kam uns vor, als wären wir Besucher in einem riesigen Freispiel-Theater.
Die Straßen waren sauber, an jeder Ecke standen meist zwei Mülleimer, einen für organische der
andere für unorganischen Müll bereit. Indigenas saßen in feiner glänzend neuer Tracht vor komplett verputzten und frisch gestrichenen Gebäuden, um sich fotografieren zu lassen.


ich muss hier anmerken, dass die traditionellen Andenbewohner,  aus Glauben an einer zu verlierenden Seele, sich nicht ihre Gesichter fotografieren lassen und ihre Tracht auf dem Lande natürlich ihre Spuren zeichnen.
Aber hier in Cusco ist alles möglich! Von Schwarzwälder Kirschtorte über rote Beete Gnocci, französischen Croissants zu Lama reiten...
Und  wenn man schon mal hier ist, darf man sich den Machu Picchu natürlich nicht entgehen lassen. Also Zähne zusammen beißen, Low Budget Weg buchen und sich den einmaligen Eintrittspreis von ca. 40€  gönnen.
Von Cusco ging es 7 Std Busfahrt über stetige Serpentinen. Haben wir eigentlich schon mal erwähnt, warum wir unter anderem mit dem Fahrrad durch Südamerika reisen???
Weil Vater und Sohn mit anderen Transportmitteln schlecht wird!
Die letzten 2 Stunden Fahrt, natürlich Schotter und Schlaglöcher, hingen die zwei blassen Säcke auf mir. Jamun fing an zu weinen, er will  sein Fahrrad wieder haben und im nächsten Atemzug, kam es ohne Vorwarnung aus seinem kleinen Mund.
Nach einer weiteren 10 km Wanderung von Hidroelectrica kamen wir total  fertig und vollgekotzt in dem bunt beleuchteten Aguas  Calientes , oder
auch Machu Picchu Pueblo genannt, an. Ein Dorf, welches von jeder Verkehrsanbindung, außer dem überteuerten Turistenzug, vollkommen abgeschnitten ist. Wir irrten durch die bunten Lichter der Restaurants und suchten uns ein bezahlbares Hostel; Kleider auswaschen und das Machu Picchu Ticket kaufen.


Um das Weltkulturerbe nicht zu gefährden, werden laut UNESCO,  pro Tag nur 2500 Tickets verkauft. Aber die Peruaner geben dem nicht all zu viel Beachtung und verkaufen einfach die Tickets im Voraus. So besuchten wir mit einem Ticket für den 08. September, am 29.08. die Ruine!
Jamun entschied sich sofort, die über 2000 Stufen nach oben zu laufen, anstatt noch einmal in einen Bus zu steigen. Je höher wir kamen, desto schöner erleuchteten die magischen Berge des Tales.
Als wir uns  dem Eingang näherten, erlosch der magische Zauber.....
Ein einziges Getümmel, Geschnatter und Gedränge  der Menschen mit ihren Selfie -Sticks, um das schönste Postkarten-Foto von Ihnen zu schießen, erwartete uns. Noch schnell die Haare zur Seite, Schmollmund und es wird abgedrückt!
Dazwischen wanderten die platzierten mit Zahlen an den Ohren markierten Lamas.
Ein magischer Ort?


Für Jamun, war es das ganz sicher,  als er zwischen dem Gemäuer ein Goldstück des Inka Königs fand  ;)

Für uns gewann das Radfahren  noch mehr an Bedeutung von Magie!
Stille Momente, unbeschreiblich schöne Landschaften, freilaufende Lamas, kleine Lehmdörfer die selbst in der Gegenwart, durch ihre traditionellen Verbundenheiten, an biblische Bilder erinnern...
 So wie bei unserem Umweg zu den " Montañas de 7 colores"
Zusammen mit Mensch und Tier, fuhren wir zusammengepfercht zum Ausgangspunkt der Wanderung.


Ein malerisch magischer Umweg mit einem 10km Triathlon für Jamun!


Über heiße Quellen und  einen weiteren Pass, diesmal sogar mit Passschild und Höhenangabe, rollten wir in den gold-leuchtenden Altiplano hinein.


Er war nicht der höchste und schwerste, aber vielleicht wurde ihm gerade wegen dem 'sanften Anstieg' dieses Schild gewidmet?!?



Schon auf dem ersten kleinen See, sahen wir Flamingos, welche auf dem Altiplano keine Seltenheit  sind....


Entlang des Sagen und Legenden  umwobenen  Titicacasees, fuhren wir Richtung Grenze. Mit unseren Gedanken sind wir schon in unserem neuen Reiseland, welches voller weiterer Abenteuer, Kultur und Neugierde wartet....


                                 ADIOS PERU !!!

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